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Edeltanne mit buntem Kleidchen

AKTION WEIHNACHTSBAUM – Feierliche Übergabe vor 100 Heppenheimern – „Leise nieselt der Regen“

Gegen einen durch Schneeflocken mit „Puderzucker“ überzogenen Marktplatz hätte sicherlich kein Mensch etwas einzuwenden gehabt. So aber nieselte – in Anlehnung ans bekannte Weihnachtslied – nur leise der Regen, als im Herzen der Altstadt Heppenheims größter und wohl auch schönster Christbaum in Dienst gestellt wurde. Trotz der unwirtlichen Witterung wohnten 100 Bürger der vom Verkehrs- und Heimatverein initiierten Übergabefeier bei.
Mit hochgeschlagenem Mantelkragen und aufgespannten Schirmen überquerten die Besucher den Großen Markt und nahmen Kurs auf die Rathaushalle, die Schutz vor „feuchten Grüßen“ bot.

Während draußen ein nass-kalter Wind durchs frisch geschlagene Tannengrün wehte, wärmten sich die Besucher drinnen mit Glühwein und heißem Orangensaft auf. An Stehtischen animierten mit Knabbergebäck gefüllte Körbchen zum Zugreifen. Vorweihnachtliche Stimmung erzeugte der von Jürgen Laux geleitete Posaunenchor.
Bemerkenswert: Vorgänger Philipp Weis hat den Dirigentenstab aus Altersgründen zwar abgegeben, sich als Aktiver deshalb aber nicht zurückgezogen. Im Verein mit den anderen Bläsern entlockte der Senior seiner Trompete die schönsten, der Jahreszeit entsprechenden Töne. Der Bogen weihnachtlicher Weisen spannte sich dabei von „Tochter Zion“ und dem alpenländischen „Es wird scho glei dumpa“ bis zum Klassiker „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“.
Da passte es durchaus ins Bild, dass sich zeitgleich der als Nachtwächter verkleidete Rudolf Kohl in Szene setzte, um dem Publikum kund zu tun, dass es sich bei dem vor dem Marienbrunnen platzierten „Krischdboam“ um ein besonderes Exemplar handele: „Hört, ihr Leut’, und lasst Euch sagen: Unsern Weihnachtsbaum ist nicht zu schlagen.“
Allerdings: Dieser „unschlagbare Weihnachtsbaum“ käme noch eine Spur imposanter daher, hätte man ihn aus Sicherheitsgründen nicht um zirka fünf auf nun zehn Meter kürzen müssen. Der „abgebrochene Riese“ hatte schon beim Transport große Probleme bereitet. Der Weg führte dabei von der Ernst-Moritz-Arndt-Straße, wo die Stifter Hilde und Herbert Haag zu Hause sind, quer durchs Stadtgebiet auf den Marktplatz. Besonders eng wurde es in der Kellereigasse.
Vor 27 Jahren als mannshoher „Jüngling“ im Haagschen Vorgarten gepflanzt, schoss der Baum in die Höhe. Bis zu seiner endgültigen Entsorgung nach dem Dreikönigstag präsentiert er sich nun in einem wahren Festkleid, für das offenbar amerikanische Vorbilder Modell standen: bunt die Lichterketten und genauso farbenfroh die – natürlich leeren – Pakete, die als herausragendes Stilelement das (Tannen-)Grün auflockern. Gefeiert wurde die gelungene Dekoration mit einem Mini-Feuerwerk.
„Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, würdigte Vorsitzender Helmut Engelhard den Einsatz des von Geschäftsführer Gerhard Kasper angeführten Dekorationsteams. Engelhard nutzte die Gelegenheit, um die ins Gerede gekommene Marktplatzbeleuchtung zu kommentieren. Irgendwann müsse Schluss sein mit der Diskussion, sagte er und berief sich dabei auf viele Stimmen, die – wie er hinzufügte – in den Lichtsäulen keinen Stilbruch erkennen. Wörtlich: „Die Mehrheit kann mit dieser Beleuchtung gut leben.“
Besonders gerne gehört haben dürfte dies Bürgermeister Rainer Burelbach (CDU). Neben dem Verwaltungschef wohnten Parlamentschef Horst Wondrejz (CDU) und Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf (Grüne) der kleinen Übergabefeier bei. Weiter mit von der Partie waren Stadtrat Norbert Golzer (Freie Wähler) sowie die Stadtverordneten Sonja Guttmann und Michael Eck (beide SPD) – eine große Koalition unter dem „unschlagbaren Christbaum“.