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GUTEZEITBRUNNEN

Viele Ideen, des Verkehrs- und Heimatvereins, die im Rathaus aber auf taube Ohren stoßen

Heppenheim. Die Intension des Verkehrs- und Heimatvereins Heppenheim ist, wie schon bei der Gründung als Verschönerungsverein vor 152 Jahren, die liebenswerte Stadt Heppenheim noch attraktiver zu machen. Und es spricht dafür, dass in der Vergangenheit kluge politische Entscheidungen getroffen worden sind und die städtischen Mitarbeiter wissen, worauf es ankommt. Keine Stadt ist aber in der Lage, die vielfältigen Aufgaben alleine zu erledigen. Manchmal reicht die bloße Anregung, damit eine Verwaltung etwas in die Hand nimmt oder einen Antrag zur Beschlussfassung den städtischen Gremien präsentiert. Es muss auch den kritischen Blick auf das Bestehende geben um festzustellen, ob Veränderungen notwendig sind. Das hat sich der Verein um den Vorsitzenden Dr. Helmut Engelhard und Geschäftsführer Gerhard Kasper auf die Fahnen geschrieben.

Der Verkehrs- und Heimatverein Heppenheim gibt aber nicht nur Anregungen, sondern geht mit gutem Beispiel voran, nimmt Geld in die Hand, das dann der Allgemeinheit, den Bürgern Heppenheims und seinen Besuchern, zugutekommt. Jüngstes Beispiel: Der Verein, der auch dem Weinmarktverein angehört, möchte den Heppenheimer Weinmarkt noch attraktiver machen. Und so leistet der Verkehrs- und Heimatverein in diesem Jahr einen ganz besonderen Beitrag dazu und spendiert am Eröffnungstag ein großes Feuerwerk, das von der Starkenburg aus gezündet wird. Ebenso soll die Burg während der gesamten zehn Weinmarkt-Tage illuminiert werden. Das sind Kosten, die nicht unerheblich sind, die der Verein aber trägt.

Die Aktivitäten alle aufzuzählen, die der Verein in den vergangenen Jahren ins Leben gerufen hat und die zur Verschönerung der Stadt beitragen, würde den Rahmen sprengen, Genannt seien nur die Anstrahlung der Kuppel des Doms St. Peter, die Erneuerung von Ruhebänken, die Instandsetzung des Kreuzes in der Hutzelschweiz, das Anbringen von Hinweistafeln am Bruchsee,. . . 

 Wo der Verkehrs- und Heimatverein Heppenheim bei den Verantwortlichen der Stadt anscheinend auf taube Ohren stößt, sind zwei Anregungen, die bereits im September 2016 dem Bürgermeister und dem Magistrat vorgelegt wurden. Zum einen geht es um die Stadtmauer am Landratsamtsgarten, sie soll, so die Idee, abends beleuchtet werden, sozusagen als Blickfang für die Altstadt. Die Kosten würde der Verein tragen. Ebenso ist es ein Vorschlag des Vereins, dort eine Bepflanzung mit Pflanzen aus den Partnerstädten vorzunehmen, beispielsweise eine Eiche aus Le Chesnay und Spalierobst aus Kaltern. Der Verein hat das Rathaus wiederholt an diese Vorschläge erinnert, aber nichts erreicht. Niemand fühlt sich zuständig, obwohl jeder die Idee begrüßt, so der Vorstand des Verkehrs- und Heimatvereins.

 

Stadtmauer

Die Stadtmauer im Landratsamtsgarten in Heppenheim soll, wenn es nach dem Verkehrs- und Heimatverein geht, illuminiert werden.


Und schließlich hat der Verein vorgeschlagen, den kleinen „Gute-Zeit-Böse-Zeit-Brunnen“ wieder vom Eckweg zurückzuholen und ebenfalls im Landratsamtsgarten zu installieren. Der teils aus Sandstein (Maske) und Granit (Trog) geschaffene Brunnen war ursprünglich in die Gartenmauer des Martin-Buber-Hauses am Graben – heute Höhe Bürgerbüro – integriert. Als 1965 das Kreisverkehrsamt ins ehemalige Haus des Religionsphilosophen einzog, war der Bau eines breiteren Eingangsbereichs notwendig geworden. Folge: Die Gartenmauer musste fallen und mit ihr der Brunnen weichen.

 

Gutezeitbrunnen
Der Gute-Zeit-Böse-Zeit-Brunnen“ soll wieder in die Heppenheimer Altstadt zurückverlegt werden.


Obwohl schon vor 55 Jahren versetzt, flammt beim Verkehrs- und Heimatverein immer wieder Unverständnis darüber auf, dass sich das Rathaus seinerzeit für den wohnortfernen Eckweg als neuen Standort entschied. So nimmt es kein Wunder, dass sich der Vorstand seit über zwei Jahren mit den Möglichkeiten einer „Rückholaktion“ auseinandersetzt. Im Landratsamtsgarten wäre der geeignete Ort, so Dr. Helmut Engelhard und Gerhard Kasper unisono. Der Brunnen sei im Sommer 1930 schließlich zur Verschönerung des Stadtbildes und nicht zur Aufwertung eines nur mäßig frequentierten Gemarkungsabschnitts errichtet worden.

Der kleine Gute-Zeit-böse-Zeit-Brunnen rief bei seiner Einweihung vor 88 Jahren außergewöhnlich großes Interesse hervor. Das Verordnungs- und Anzeigeblatt klärte kurz vor der Übergabe am 6. Juni 1930 darüber auf, was es mit der Gestaltung des Brunnens und mit seiner etwas eigenwilligen Namensgebung auf sich hat. Unterschiedliches Mienenspiel kennzeichnet auch das maskenhafte Antlitz, aus dessen Mund im Heppenheimer Gute-Zeit-böse-Zeit-Brunnen das Wasser sprudelt. Die von Stadtbaumeister Josef Winter entworfene, von Bildhauer Philipp-August Müller gefertigte sowie aus Mitteln des Verkehrs- und Heimatvereins finanzierte Anlage kommt in übertragenem Sinne der Redewendung vom lachenden und vom weinenden Auge sehr nahe. Auszug aus dem Artikel von 1930: „Die rechte Gesichtshälfte schaut freundlich und zufrieden den Betrachter an, ist passend dazu mit Rosen und Reben bekränzt; die linke dagegen blickt unter Dornen und Disteln trübe und mürrisch: Gute Zeit, böse Zeit gehen vorüber alle beid." sm