Archiv

Der Wein als Bergsträßer Botschafter

Neujahrsempfang – Ex-Weinkönigin Melanie I. und Heinrich Hillenbrand Gäste beim Verkehrs- und Heimatverein

„Es ist immer wieder beeindruckend“, zeigte sich die Runde angetan vom Bergstraßen-Panorama. Möglich gemacht wurde das optische Erlebnis vom Ehepaar Hans-Ullrich und Waltraud Kleist, das zum achten Mal in Folge die Gastgeberrolle für den Neujahrsempfang des Verkehrs- und Heimatvereins übernommen hatte. Der Blick aus dem Kleistschen Penthouse im 13. Stockwerk des Hochhauses Neckarsteinacher Straße 2 war diesmal besonders reizvoll, als sich die „strata montana“ und die zu ihren Füßen liegenden Städte wie in Zuckerwatte verpackt präsentierten – ein „Traum in Weiß“.


„Der Schnee deckt Heppenheimer Bausünden zu“, frotzelte ein Vorstandsmitglied. Es war allerdings die einzige kritische Anmerkung des Abends, in dessen Verlauf sich der sonst eher streitbare VHH lieber den schöneren Dingen der Kreisstadt zuwandte. Dass der Weinbau hier eine herausragende Rolle spielt, ist unstrittig. Lange Zeit war seine Werbewirksamkeit allerdings nicht recht erkannt worden. So datiert das erste vom Weinbauverband Hessische Bergstraße herausgebrachte Prospekt aufs Jahr 1972.
Verfasser war übrigens Helmut Engelhard, der sich mit der Schrift als Jura-Student ein kleines Zubrot verdiente. Der VHH-Vorsitzende versetzte sich seinerzeit in die Rolle des kleinsten deutschen Anbaugebiets und leitete seinen Text mit der Frage ein: „Wissen Sie überhaupt, dass es mich gibt und was ich zu bieten habe?“ Gut 40 Jahre später hat sich die Situation grundlegend verändert. Der Wein ist zum wichtigsten touristischen Botschafter geworden.
Die Hessische Bergstraße ist – gemessen an ihrer Rebfläche – zwar immer noch ein Winzling, hat unter Qualitätsansprüchen aber schon länger den Sprung in die Phalanx der Großen geschafft. Engelhard erinnerte in diesem Kontext an einen Lokalbesuch in Kansas City: „Ich schlage die Getränkekarte auf und finde auf ihr einen Wein aus der Lage Heppenheimer Centgericht – unglaublich.“

Die Weichen für über die Region hinausreichende Vermarktungschancen wurden laut Heinrich Hillenbrand 1971 mit der Verabschiedung des neuen Weingesetzes gestellt. Verbunden damit war die Zusammenlegung ungezählter Einzel- zu den drei Großlagen Heppenheimer Schlossberg, Bensheimer Wolfsmagen und Auerbacher Rott. „Es war eine Maßnahme, die dem Kunden die Orientierung erleichterte“, so Hillenbrand. Von 1971 ab über Jahrzehnte hinweg Leiter des Staatsweingutes mit Wohnsitz im Rebmuttergarten, hat sich der angesehene Weinbauexperte besonders als „Eisweinkönig“ einen Namen gemacht.
Hillenbrand war in Begleitung seiner Enkelin Melanie Hillenbrand zum Neujahrsempfang gekommen, die sich erst vor wenigen Monaten als Finalistin bei der Wahl zur deutschen Weinkönigin groß in Szene zu setzen vermochte. Dass es im Neustädter Saalbau nicht ganz reichte für den Sprung aufs Treppchen, nahm die 22 Jahre alte Heppenheimerin sportlich. „Es gibt keine Verliererinnen bei einem solchen Wettbewerb“, stellt sie am Donnerstag erneut fest. Geblieben seien durchweg positive Erinnerungen. Mit Julia Bertram (Ahr), der Siegerin, und Elena Beniesche (Rheingau) steht die Betriebswirtschafterin nach wie vor in regem Kontakt: „Da ist etwas entstanden, das überdauern wird.“
Melanie I. stieß im Rahmen einer von ihr moderierten Dreierprobe aufs Wohl der Gastgeberfamilie Kleist ebenso an wie auf ein weiterhin erfolgreiches Wirken des Verkehrs- und Heimatvereins. Die Mannschaft um Vorsitzenden Helmut Engelhard und Geschäftsführer Gerhard Kasper bereitet sich auf zwei Großereignisse vor: 2015 besteht die Starkenburg 950 Jahre, 2016 feiert der Verein seinen 150. Geburtstag.