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Bistro belebt Bahnhofsviertel

Verkehrsverein – Vorstand tagt in neuem Bistro – Doch wieder Starkenburg in Flammen?

Zu diesem Ergebnis kam der Verkehrs- und Heimatverein Heppenheim (VHH) nach seiner jüngsten Sitzung, zu der Vorsitzender Helmut Engelhard und Geschäftsführer Gerhard Kasper am Donnerstag in das Restaurant eingeladen hatten.
Das Führungsduo setzte mit der Wahl des Tagungsorts auch ein Zeichen der Solidarität mit den Pächtern. „Wenn jemand an einem für Heppenheims Geschichte so wichtigen Ort einen Neuanfang wagt, dann ist das unsere Unterstützung wert“, freute sich Engelhard über die Wiederbelebung des über ein Jahrzehnt lang für die Öffentlichkeit verschlossenen Bahnhofs. Dem Winzerkeller als einem der traditionsreichsten Heppenheimer Lokale drohe das gleiche Schicksal.

Den Schuh, Schleichwerbung für „Pronto e Fresco“ zu betreiben, will sich der VHH indes nicht anziehen lassen: „Über die Qualität des Angebots wird jeder Einzelne selbst seine Entscheidung treffen.“ Wichtig ist dem Vorstand vor allem das äußere Erscheinungsbild, das sich den ungezählten Reisenden nach ihrer Ankunft in Heppenheim biete. Der erste Eindruck sei in aller Regel der wichtigste. Einhelliges Urteil des VHH: Im Gegensatz zur Bahnhofs-Haupthalle, die mit ihrem „Charme“ aus den sechziger Jahren unbedingt einer Auffrischung bedürfe, präsentiere sich das Bistro in einem optisch sehr ansprechenden Zustand.
Dass das Lokal schon wenige Wochen nach der Eröffnung gut angenommen werde, spreche für sein Ambiente und widerlege die nach wie vor unterschwellige Vermutung, dass es sich bei den meisten Bahnhofswirtschaften um Spelunken handle.
Die Geringschätzung schlage sich, wie Engelhard schmunzelnd erinnerte, in einem immer noch geläufigen mundartlichen Wortspiel nieder: „Wer nix wärd, wärd Wärt – un wer gar nix wärd, wärd Bahnhoufswärt.“ Die Pächter, so der Eindruck, können damit nicht in Verbindung gebracht werden. Zur Erinnerung: Der Heppenheimer Bahnhof ist in den Jahren 1845/46 nach Plänen des bekannten Darmstädter Architekten Georg Moller (1784 bis 1852) errichtet worden.
Fast zeitgleich wurde die Main-Neckar-Bahn in Dienst gestellt. Mit ihrer Inbetriebnahme musste die alte Thurn- und Taxissche Posthalterei an der Darmstädter Straße ihren Betrieb einstellen. Gegen das dampfende Stahlross waren die Pferdekutschen chancenlos. Dass das historische Fachwerkgebäude 1967 dem Erdboden gleichgemacht wurde, um Platz für den lang gestreckten Bau der Stadtapotheke zu machen, gilt als eine der schlimmsten Heppenheimer Bausünden.
Erinnert an die näheren Umstände des Abrisses wird – neben anderen Themen – in einer Festschrift, die der Verkehrs- und Heimatverein anlässlich seines 150. Jubiläums 2016 herausgibt. „Bis dahin“, so Engelhard, „sollen auch personelle Weichen für die Zukunft gestellt werden“.
Eine Blutauffrischung mit jüngeren Mitarbeitern sei dringend geboten, betonte er mit Fingerzeig auf das hohe Durchschnittsalter des Vorstandes, dessen jüngstes Mitglied, der „Stadtgraben“-Wirt Adi Dörsam, schon über 60 Lenze auf dem Buckel hat. Dem Bemühen um eine zeitgemäße Außendarstellung ist der Vorstand inzwischen mit einer von Fred Schuster betreuten Homepage gerecht geworden: www.vhvheppenheim.de.
Vor seinem eigenen Jubiläum gefordert ist der VHH als Mitglied des Arbeitskreises „950 Jahre Starkenburg“ (2015). Wenn alles nach Plan läuft, dann könnte nach dem finanziellen Desaster 2012 sogar die bereits totgesagte Traditionsveranstaltung „Starkenburg in Flammen“ wieder Auferstehung feiern.
Nach Angaben von Engelhard und Kasper habe Günther Stegmüller, der Dirigent der Starkenburg-Philharmoniker, großes Interesse an einer Wiederholung des Konzerts geäußert. Unabhängig vom schwachen Besuch seien die 50 Orchestermitglieder begeistert vom Ambiente der Freilichtbühne gewesen. Stegmüller bot dem VHH an, sich für den ins Auge gefassten Termin im Sommer 2014 um einen Ausfallbürgen zu bemühen. So abgesichert vor finanziellen Risiken, signalisierte der Vorstand weitere Gesprächsbereitschaft.