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Freie Sicht auf die Starkenburg

Verbuschung – Engagierte Diskussionsbeiträge in der Hauptversammlung des Verkehrs- und Heimatvereins Heppenheim.

Bei der Hauptversammlung des Verkehrs- und Heimatvereins Heppenheim (VHH) wurde Klartext gesprochen. Mehrere Mitglieder beklagten sich über Mängel, die nach ihrer Ansicht mit teils geringem Aufwand zu beheben seien.

Bei Wein und Brezeln zum Nulltarif ließ es sich gut aushalten, als der Verkehrs- und Heimatverein vor rund 50 Mitgliedern auf der Terrasse des Rebmuttergartens Bilanz zog. Die lockere Atmosphäre konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nach dem Tätigkeitsbericht von Vorsitzendem Helmut Engelhard ordentlich zur Sache ging.


Den Stein ins Rollen brachte Geschäftsführer Gerhard Kasper, als er seinem Unbehagen über die Verbuschung des an die Starkenburg angrenzenden Hanggeländes Ausdruck verlieh. Die Sicht auf das historische Gemäuer werde zunehmend eingeschränkt. Kasper ärgert sich darüber umso mehr, als es sein Verein war, der tief in die Tasche griff und mit Unterstützung eines Sponsors die Burgbeleuchtung optimierte.
Burgbeleuchtung verschwindet in Hecken
„Vom Sattel des Schlossbergs grüßt sie weit ins Land“, heißt es in einer Beschreibung der Starkenburg. Schreitet der Wildwuchs rund um die Ruine fort, dann könnte es um diesen „Gruß in die Ferne“ allerdings bald geschehen sein. „Die Beleuchtung geht teils jetzt schon direkt in die Hecken hinein“, monierte Kasper. Verantwortlich dafür machte er das Hessische Immobilien-Management, das auf seine Intervention hin zwar Abhilfe versprochen, bis dato aber nicht Wort gehalten habe.
Sorgen bereiten dem Geschäftsführer auch Gedankenspiele, die Tourist-Info aus dem Haus Nack am Großen Markt abzuziehen und sie im Rathaus unterzubringen. Gegen diese Absicht sprechen nach Kaspers Dafürhalten sowohl sachliche als auch finanzielle Gründe. Notwendige Umbaukosten im Rathaus bezifferte er auf 100 000 bis 120 000 Euro: „Das wäre für zehn bis zwölf Jahre die fürs Haus Nack anfallende Miete“. Nicht nachvollziehbar ist für Kasper auch die Entfernung des Blumenschmucks am Marktbrunnen. Hanne Vettel pflichtete bei: „Das war doch immer ein wunderschöner Anblick.“
Dass städtische Entscheidungen bewertet werden, ist für Vorsitzenden Helmut Engelhard Beleg einer engagierten Mitgliedschaft. Unabhängig davon erhebe sein Verein keinen Anspruch darauf, „alles besser zu wissen“. Dennoch gelte es, die Politik zum „Nachdenken und Überprüfen“ zu animieren. Engelhard nannte Beispiele, so die Stadtparkidee für den Graben, die „für uns als langfristiger Wunsch erhalten bleibt“, sowie die schon mehrfach von ihm angemahnte Verbesserung der Verkehrsführung von der Tiergartenstraße in die Innenstadt.
Überhaupt nicht anfreunden kann sich Engelhard mit der Idee, die im alten Finanzamt beheimatete Stadtbücherei in den Amtshof zu verlegen. Der Vorsitzende warf die Frage auf, ob der zur Diskussion stehende Winzerkeller nicht besser geeignet sei für ein „Haus der Weine“ mit Präsentationsmöglichkeiten aller Bergsträßer Weingüter. „Es geht hier“, sagte Engelhard, „um die Darstellung einer Kulturlandschaft“. Mit dem Vorschlag rannte Engelhard besonders bei Hans-Jürgen Weber offene Türen ein. „Mein Herz blutet, wenn ich sehe, was aus dem Winzerkeller geworden ist“, sagte der pensionierte Kellermeister. „Gebietsvinotheken werden in anderen Anbaugebieten hervorragend angenommen“, sagte Weber. Den Winzerkeller solle man einer seinem Namen gerecht werdenden Nutzung zuführen, empfahl er. Kritik übte er außerdem an gastronomischen Betrieben, die auf dem Marktplatz viele ausländische, aber kaum an der Bergstraße wachsende Weine anbieten: „Ja, wo sind wir denn?“
Zu Wort meldete sich auch Hans-Ulrich Kleist: „Es wird langsam Zeit, dass dieses rote Protestschild am Marktplatz entfernt wird.“ Christopher Hörst regte an, das brachliegende Kelterhaus im Amtshof zu renovieren und es in Ergänzung zum benachbarten Marstall für den Publikumsverkehr zu öffnen. Dass dort im Zuge der Umgestaltung der Einbau einer Toilette unterlassen wurde, hielt Ruth Kutzmann für „völlig unzumutbar“.
Ein „stilles Örtchen“ mahnte Kutzmann auch für den bei Flohmärkten und Festen stark frequentierten Europaplatz an. Vorsitzender Engelhard will das Problem bei einem Ortstermin mit kommunalen Spitzenvertretern, bei dem es allerdings um Verkehrsfragen geht, zur Sprache bringen. „Es könnte hilfreich sein, wenn unser Bürgermeister plötzlich ein Bedürfnis verspürt“, merkte er süffisant an.