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Kleine Tanne, aber großer Effekt

Aktion Weihnachtsbaum – Feierliche Übergabe durch Verkehrs- und Heimatverein auf dem Marktplatz – Pfiffe gegen Protesttransparent
„Passend zum Start in den Adventsmonat Dezember hat der Verkehrs- und Heimatverein Heppenheim (VHH) am Donnerstagabend den Weihnachtsbaum am Marktplatz der Öffentlichkeit übergeben. Trotz Schmuddelwetters waren dazu gut 100 Schaulustige erschienen.

Ungezählte Kinobesucher erinnern sich noch lebhaft an jene Szene im US-Streifen „Kevin, allein zu Hause“, in der mitten im belebten New York plötzlich die Beleuchtung eines riesigen Weihnachtsbaums angeschaltet wird. Der heimliche Held des Films ist vom Lichterglanz derart überwältigt, dass es ihn fast umhaut. Kevin verschlägt es für einige Augenblicke die Sprache.
Ganz so gewaltig war der Überraschungseffekt natürlich nicht, als am Donnerstag VHH-Geschäftsführer Gerhard Kasper auf den Schalter drückte und der Stromkreislauf damit die Lichterketten der am Marienbrunnen platzierten Edeltanne erreichte. Dennoch klang aus mehr als 100 Kehlen ein langgezogenes „Aaah“, wobei – anders als bei Kevin – die Bewunderung nicht der Dimension des Baumes, sondern in erster Linie seiner Ausschmückung galt.


Das von Andreas Kiefer und Hans Lugsch gespendete Exemplar ist mit einer Höhe von nur acht Metern zwar kleiner geraten als seine Vorgänger, gefällt dafür aber umso mehr durch seinen geraden Wuchs und durch sein vom Boden bis zur Spitze dichtes Nadelkleid. „Ein Christbaum wie gemalt“, lautete folglich das Urteil vieler Gäste, nachdem die etwa 1200 Minikerzen aufleuchteten.
Eher dezente Dekoration
Abrückend vom amerikanischen Vorbild mit viel Farbe entschied sich Kaspers Helferteam in diesem Jahr für eine dezentere Dekoration, die sich weitgehend auf goldene Sterne und auf einheitlich in rotes Glanzpapier eingeschlagene Päckchen beschränkt. Hier bewahrheitet sich die Binsenweisheit, laut der weniger mehr sein kann. Parlamentsboss Horst Wondrejz (CDU) war auf jeden Fall voll des Lobes und sprach von einem „Sahnehäubchen für unseren schönen Marktplatz“. Dass mit der vom Verkehrs- und Heimatverein initiierten „Aktion Weihnachtsbaum“ die Stadtkasse entlastet wird, war dem Vorsteher ein besonders Wort des Dankes wert.
Zuvor schon hatte Vorsitzender Helmut Engelhard betont, es werde künftig zunehmend wichtiger, dass sich „Bürger zusammenfinden und etwas selbst in die Hand nehmen“. Der Verkehrs- und Heimatverein wolle beispielhafte Zeichen setzen, sagte Engelhard.
Die diesmal kleiner ausgefallenen Deko-Schachteln haben nach seiner Lesart allerdings nichts damit zu tun, dass die symbolisch in ihnen verpackten Heppenheimer Wunschzettel ebenfalls kleiner geworden seien – eher im Gegenteil. Anders als in den Vorjahren, als er neben anderem das Problem mit der Metzendorf-Immobilie nannte, verzichtete der Vorsitzende diesmal aber auf konkretere Angaben.
Beifall, in die sich vereinzelt Buhrufe und Pfiffe mischten, löste Engelhard dann aber doch noch aus, als er auf die Protestbanderole am sogenannten Grace Kelly-Haus zu sprechen kam. Er habe dem Bürgermeister seinen Rat angeboten – der wohl auch notwendig zu sein scheint, um das schon länger als „öffentliches Ärgernis“ empfundene Transparent juristisch unanfechtbar beseitigen zu können. Reaktion der Besucher am Donnerstag: „Das Ding muss endlich weg.“
Den für die Aktion Weihnachtsbaum vorgenommenen Umzug von der Fußgängerzone auf den Großen Markt hat der Verkehrs- und Heimatverein nicht bereut. Wie sonst an keinem anderen Ort bündelt sich dort Heppenheimer Identität, zu der in gewisser Weise auch „Nachtwächter“ Rudolf Kohl gehörte. Engelhard würdigte kurz die Verdienste des im April verstorbenen Originals, das bei keiner Baumübergabe fehlte und mit seinem Standardspruch „Hört, ihr Leut’, und lasst Euch sagen“ die Gäste zum Glühweinkonsum animierte. Angestoßen wurde natürlich auch ohne den Rudolf.
Fürs Besinnliche zuständig waren die von Ehrendirigent Philipp Weis geleiteten Bläser des Posaunenchors. Die kleine Feier wurde traditionsgemäß mit einem Mini-Feuerwerk abgeschlossen.