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Eine Art „Burgfrieden“ auf der Burg

Saisonauftakt – Verkehrs- und Heimatverein sucht Konsens – Forderung nach hauptamtlicher Doppelspitze im Rathaus

Die Zeiten, in denen der Verkehrs- und Heimatverein (VHH) die stets auf Karfreitag fallende Eröffnung des Bergfrieds auf der Starkenburg zu kritischen Anmerkungen an der Kommunalpolitik nutzte, scheinen passé zu sein. Vorsitzender Helmut Engelhard war diesmal deutlich um Konsens bemüht.
Dass das Wort „Burgfrieden“ die Runde machte, passte nicht nur zur Örtlichkeit. So staunten die Gäste nicht schlecht, als Engelhard in infrastrukturellen Mängeln der Stadt „Defizite aus der Vergangenheit“ erkannte sowie – durchaus selbstkritisch – gelegentliche Beschwerden mit einem „Jammern auf höchstem Niveau“ verglich. Das Scheitern früherer Vorschläge seines eigenen Vereins nahm der Vorsitzende mit fast schon stoischer Gelassenheit hin.

Zur Erinnerung: Forderungen nach einer Überdachung der Freilichtbühne stießen in den parlamentarischen Gremien ebenso auf taube Ohren wie die Stadtpark-Idee für den Graben sowie die Bemühungen, im Sinne einer optimierten Verkehrsführung auf dem städtebaulich bedenklichen Europaplatz eine Trasse einzurichten: Alles Wünsche des VHH, deren Ablehnung vom Vorsitzenden jeweils mit einem eher emotionslos klingenden „Ohne Erfolg“ kommentiert wurde. Die Töne waren schon forscher.
Schon als ehemaliger FDP-Fraktionschef hatte Engelhard die Erfahrung gemacht, dass es nichts bringt, aus Frust nachträglich Öl ins Feuer zu gießen. Sich als beleidigte Leberwurst aufzuspielen, kommt in der Tat weniger gut an, als souverän die Realitäten zu akzeptieren. Der Vorsitzende formulierte es so: Gelinge es nicht, die Politik für eine Sache zu gewinnen, dann könne es auch an den Antragstellern gelegen haben. „Wer etwas will, muss die Mehrheit auf seine Seite bringen“, bekräftigte er.“
An anderer Stelle würdigte der Vorsitzende die Arbeit von Bürgermeister Rainer Burelbach (CDU). Engelhard wünschte sich aber dezidiert die Zeiten zurück, in denen – wie bis vor sieben Jahren – ein „Chef und sein Vize“ die Geschicke im Rathaus leiteten. „Nichts gegen ehrenamtliche Stadträte. Es genügt aber nicht für eine Kreisstadt“.
Noch im Laufen ist die Diskussion um einen zweiten Autobahnanschluss. Folgt die Politik dem Verkehrs- und Heimatverein, dann müsste sie ihre in diese Richtung zielenden Anstrengungen ganz einstellen. Engelhard sprach von einem „sinnlosen Bemühen“ und vermutete gar, dass der Heppenheimer Wunsch „nicht ernst genommen wird“. Ein Fitzelchen mit Ironie gespickte Kritik war also doch noch zu hören vom Vorsitzenden.

Begrüßt werden konnte zum Karfreitagstreff auch Professor Karl Härter. Der von ihm geführte Geschichtsverein bereitet in Zusammenarbeit mit Engelhards VHH und der Stadt die 2015 anstehende 950-Jahrfeier der Starkenburg vor. Mit einem Glas Sekt stießen Gäste und Gastgeber auf das Gelingen der Jubiläumsveranstaltungen an.