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„Heppenheim im Film“ gefällt erneut

Verkehrs- und Heimatverein – Gut 100 Besucher im Saalbau – Begegnung mit vielen bekannten Gesichtern

Inzwischen ist es Sebastian Vettel, der den Namen Heppenheim in alle Welt trägt. Gleichwohl fanden Aufnahmeteams lange vor der Geburt des Formel-I-Piloten den Weg in die Kreisstadt. Fachwerkromantik, Weinbau, landschaftliche Schönheit und Heppenheims über 1250 Jahre alte Geschichte riefen Film- und Fernsehproduzenten schon ab den frühen Sechzigern des vorigen Jahrhunderts auf den Plan.


Der „Blaue Bock“ mit Bembelwirt Heinz Schenk gastierte ebenso in Heppenheim wie das von Ramona Leis moderierte „Sonntagskonzert“ und Maria Hellwigs „Fahrt ins Blaue“. Höhepunkte dieser Publikumsrenner sind bereits 1995 von Ulrich Filzinger (Mörfelden) in dem von ihm produzierten Streifen „Heppenheim im Film“ verarbeitet worden. Auftraggeber war der Verkehrs- und Heimatverein, der nun nach der Premiere vor 17 Jahren zum Remake eingeladen hatte. Der inzwischen 83 Jahre alte Filzinger bediente erneut die Technik – das Publikum dankte mit starkem Beifall.
Vorsitzender Helmut Engelhard und Geschäftsführer Gerhard Kasper waren mit der Resonanz zufrieden. Mehr als 100 Besucher ließen sich mitnehmen auf diese Reise in die Vergangenheit, die weitaus mehr bot, als nur Sequenzen aus bekannten Unterhaltungssendungen. „Heppenheim im Film“ erregte vor allem Aufmerksamkeit bei der Begegnung mit verstorbenen „Hepprumer“ Urgesteinen. „Das ist doch der Vock-Schorsch und das der alte Laumann“, tönte es etwa aus dem Publikum, als Veteranen des FC Starkenburgia ins Bild gerückt wurden oder Weinbaupionier Vinzenz Laumann bedächtig am Schoppenglas nippte.
Wiedersehen macht bekanntlich Freude – so auch bei der filmischen Begegnung mit Landtagspräsident Hans Wagner, den Kellermeistern Jakobi senior und junior, dem Falkner Eduard Heppe sowie den Mundart-Ikonen Georg Matthias Friedrich (Lissebärwel) und Hans Rhein. Die historisch wertvollsten Aufnahmen lieferte Filzinger vom Deutschen Feuerwehrtag 1955. Seine Aufnahmen vom Festzug, der sich zum Marsch „Alte Kameraden“ durch die Innenstadt bewegte, führte auch gesellschaftliche Wandlungsprozesse vor Augen. Ganz so militärisch zackig tritt die Feuerwehr nicht mehr auf.
Zum heimlichen Star avancierte fraglos Studienrat Leonhard Rettig, den die Besucher als ebenso profunden Kenner der Geschichte wie als humorvollen Stadtführer erlebten. Am Marktplatz, wo sich Heppenheimer Identität bündelt, wurde (und wird) losmarschiert. Der große Unterschied zu heute: Rund um den Marienbrunnen parkten zu Rettigs Zeiten noch Autos. Ein alter VW mit Zwischenschaltung und zweigeteiltem Rückfenster rief Erinnerungen Jahre wach.
Zu den herausragenden Persönlichkeiten, die im Film gewürdigt werden, zählt der 22 Jahre lang in Heppenheim lebende jüdische Religionsphilosoph Martin Buber. „Jedes wirkliche Leben ist Begegnung“, wird er im Film zitiert. Und wie zur Bestätigung finden diese Begegnungen im Film vielfältig Niederschlag: Heppenheimer beim Weinmarkt und am Stammtisch, beim Schunkellied mit Rolf Köhlers Schoppensängern und beim Auftritt der legendären „Drei Lulays“ mit Heinz Disser als Frontmann.
Ferner ins Bild rückte Filzinger eine Gruppe beim Tratsch vor der Liebig-Apotheke, dessen Namensgeber – der Chemiker Justus von Liebig – ebenfalls genannt wird; inklusive der Geschichte, er habe bei Experimenten das Dach des Gebäudes in die Luft gesprengt. Belegt werden kann diese Behauptung nicht.
Weitere Hingucker: die ehemalige Stadthalle, das alte Gymnasium, die Töchterschule, das Haus der „Gemeinde Christi“. Alle sind der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Nirgendwo sonst lassen sich Veränderungen des Stadtbildes in so geballter Form festmachen wie zwischen oberer Gräffstraße, Laudenbacher Tor und Gartenstraße.
Der Verkehrs- und Heimatverein trägt sich mit dem Gedanken, den Film zu digitalisieren. Voraussetzung ist, dass sich genügend Interessenten melden.